Der Pfarrer und der Strafprozeß

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie werden es mir wahrscheinlich nicht glauben, aber SM Susi ist eine begeisterte Amateur - Schriftstellerin. Sie hat soeben in meinem Lektorat einen Auszug aus Ihrem gerade fertiggestellten Manuskript abgegeben.
Ihrer Bitte, dieses Kapitel zu veröffentlichen und die Leserschaft nach ihrer werten Meinung zu fragen, möchte ich gern entsprechen.
SM Susi und ich verweisen ausdrücklich darauf, daß die gesamte Geschichte, die Sie hier lesen können, völlig frei erfunden ist. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Ereignissen wären rein zufällig, und weder von SM Susi noch von mir in keiner Weise beabsichtigt.
Ihr Joachim Koßmann

Der evangelische Pfarrer hatte seinen kleinen Bruder vor Gericht auf Auszahlung von Pflichtteilen aus der Erbmasse der gemeinsamen verstorbenen Mutter verklagt und einen Vergleich abgetrotzt, der ihm und seinem großem Bruder einen Betrag von jeweils 35.000,-- DM einbrachte.
Nachdem der kleine Bruder das Geld ausbezahlt hatte, drohte er seinen beiden Brüdern damit, deren Kinder durch einen notariellen Erbvertrag zu enterben, wenn es nicht zu einer gerechten Lösung in der Erbauseinandersetzung käme. Um seinen Brüdern entgegen zu kommen, bot er an, das Geld statt dessen deren Kindern zu geben.
Die Brüder hatten damit nicht gerechnet. Der kleine Bruder mochte immer seine Nichten und Neffen, und, da er jünger ist als seine beiden großen Brüder, würde er jene wahrscheinlich überleben. Damit wäre die Enterbung hinfällig. Nun würde aber ein Erbvertrag schon vorher vollendete Tatsachen schaffen.
Wenige Monate später erschienen auf einmal in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen Artikel kirchenkritischen Inhalts mit des Pfarrers Absenderangabe. Der prominenter Vertreter der Juden in Deutschland erhielt ein Schreiben, in dem die Judenverfolgungen im Dritten Reich geleugnet wurden. Der große Bruder des evangelischen Pfarrers wurde in verschiedenen Briefen denunziert, Kinder sexuell mißbraucht zu haben.
Der Kirchenkreis erstattete Strafanzeige. Doch die Staatsanwaltschaft machte es sich einfach und ermittelte erst gar nicht gegen den Pfarrer, der die Täterschaft ableugnete.
Statt dessen beschuldigte der Pfarrer seinen kleinen Bruder, der Täter gewesen zu sein. Die Polizei durchsuchte die Wohnung, die der kleine Bruder früher zusammen mit der gemeinsamen Mutter bewohnt hatte, zweimal.
Bei der ersten Durchsuchung wurde eine elektrische Schreibmaschine beschlagnahmt, die vom Landeskriminalamt untersucht wurde und nicht als Tatwerkzeug identifiziert werden konnte. Die Briefe mit der Absenderangabe des Pfarrers waren mit einer ähnlichen Maschine geschrieben worden. Beide großen Brüder haben später vor Gericht zugegeben, im Besitze des Wohnungsschlüssel der Wohnung der Mutter und des kleinen Bruders gewesen zu sein.
Die alte mechanische Schreibmaschine, mit der zwei der drei Briefe mit den Denunziationen gegen den großen Bruder geschrieben worden waren, wurde erst sechs Wochen später bei der zweiten Hausdurchsuchung beschlagnahmt. Jene Maschine wurde dann auch tatsächlich als Tatwerkzeug identifiziert. Der kleine Bruder hätte sechs Wochen Zeit gehabt, das Beweisstück auf Nimmerwiedersehen verschwinden zu lassen, wäre er sich einer Schuld bewußt gewesen. Zudem wurde der große Bruder in zwei anonymen Briefen denunziert, während der dritte Brief in Kinderschrift abgefaßt und mit einer gefälschten Absenderangabe versehen war, damit man ihn leicht als Fälschung erkennen konnte. Warum sollte jemand den großen Bruder zweimal bezichtigen, um ihn dann wieder zu rehabilitieren?
Doch der Fall hatte Aufsehen erregt. Der prominente Vertreter des Judentums war zurecht erbost. Die antiklerikalen Zeitungsartikel hatten den evangelischen Pfarrer über Nacht berühmt gemacht. War ein neuer Ketzer geboren?
Nein, bloß nicht. Man will doch kein Aufheben machen. Der Staatsanwalt bot dem kleinen Bruder an, das Ermittlungsverfahren gegen ihn gegen Zahlung einer kleinen Geldbuße wieder einzustellen, wenn er die Täterschaft zugebe. Doch der kleine Bruder weigerte sich.
Ein böser Mensch aus der Gemeinde des Pfarrers hatte den kleinen Bruder bei seinem neuen Arbeitgeber, einer angesehenen Versicherungsgesellschaft, denunziert, so daß jener seinen Ausbildungs- und Arbeitsplatz verlor.
Dann erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Der Prozeß fand vor dem Amtsgericht statt. Für den Richter stand es von vornherein fest, daß der kleine Bruder der Täter war. Im Urteil stand nachher, schon "auf Grund des persönlichen Eindrucks hätte das Gericht keinen Zweifel, daß jener der Täter wäre". Beweise gab es jedoch keine.
Der kleine Bruder war erbost und legte noch an demselben Tag Berufung ein. Er war wegen seiner Arbeitslosigkeit wirtschaftlich ruiniert und mußte die Wohnung verkaufen, die er von der Mutter geerbt hatte. Aber dann hatte er Geld genug, einen guten Rechtsanwalt bezahlen zu können.
Ein halbes Jahr später sollte der Berufungsprozeß vor dem Landgericht stattfinden. Die Richterin war ziemlich mürrisch und drohte dem kleinen Bruder gleich zu Beginn des Prozesses mit der Verschärfung der Nebenstrafen (Geldstrafe bzw. Zwansarbeit), wenn er die Berufung nicht zurücknehme.
Im Laufe der Verhandlung wurde dann aber deutlich, daß der eigentliche Tatverlauf auf Grund der groben Nachlässigkeit der Staatsanwaltschaft nie aufgeklärt worden war. Nachdem daraufhin der kleine Bruder die Einstellung des Verfahrens beantragt hatte, unterstellte ihm die Richterin einfach, er würde seinen beiden großen Brüdern nach dem Leben trachten und drohte ihm mit der Einweisung in die Psychiatrie. Unter dem Eindruck dieser Drohung, oder war es eine Nötigung oder Erpressung ?, nahm der kleine Bruder die Berufung wieder zurück.
Drei Jahre herrschte nun Ruhe. Doch der kleine Bruder wollte natürlich die Schmach nicht auf sich sitzen lassen und wartete die Zeit ab, bis die Bewährungsfrist abgelaufen war, und wandte sich dann in dieser Angelegenheit mit einer Flugblattaktion an die Öffentlichkeit.
"Ein evangelischer Pfarrer hinterzieht Steuern", war da zu lesen. Was für ein Sakrileg! Der Rechtsanwalt des Kirchenkreises erstattete sofort Anzeige und wandte sich an das Vormundschaftsgericht, den kleinen Bruder entmündigen zu lassen, damit jener in Zukunft nie wieder solche schlimmen Dinge verbreiten könnte...
Doch das Vormundschaftsgericht mußte das Verfahren gegen den kleinen Bruder wieder einstellen. Der kleine Bruder zeigte daraufhin den Rechtsanwalt an. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen jenen wieder ein, denn er habe nur berechtigte Interessen der Kirche vertreten. Das läßt ja tief blicken.
Der Staatsanwalt hatte wieder ein Gespräch unter vier Augen mit dem kleinen Bruder. Der kleine Bruder beteuerte den Wahrheitsgehalt seiner Behauptungen und legte dazu handschriftlich verfaßte Selbstbezichtigungen der beiden großen Brüder vor.
Doch es half nichts. Der Staatsanwalt ließ den Computer des kleinen Bruders beschlagnahmen, so daß jener nun auch mit seinem Gewerbe nichts mehr verdienen konnte und zum Sozialamt gehen mußte.
Dann gab es einen neuen Prozeß vor dem Amtsgericht. Das Amtsgericht meinte, der kleine Bruder wäre einer fixen Idee erlegen, obgleich die Selbstbezichtigungen bewiesen waren. Auch der Pfarrer selbst hatte vor Gericht die Steuerhinterziehung in keiner weise bestritten.
Nach dem Prozeß sagte der Rechtsanwalt des kleinen Bruders zu jenem: "Sie sind unschuldig, ich lege für Sie Berufung ein. Aber ich werde Sie nicht mehr vertreten, denn ich will mit dieser ganzen Geschichte nichts mehr zu tun haben!"
Auch die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein und forderte die Inhaftierung des kleinen Bruders. Jener ließ sich jedoch nicht mehr einschüchtern und machte mit den einstweiligen Verfügungen, die der Pfarrer gegen ihn erwirkt hatte, fortan für seine Veröffentlichungen Reklame. Das Interesse an seiner neuen Website stieg von Tag zu Tag.
Ein ganzes Jahr ging wieder in´s Land, bis es zur Berufungsverhandlung vor dem Landgericht kam. Dort beklagte der Staatsanwalt die wirklich staatsfeindlichen Veröffentlichungen des kleinen Bruders. Jener hatte sich an das Oberlandesgericht gewandt und das Verhalten der Richterin kritisiert. Ein Sakrileg!
Der Staatsanwalt war sehr erbost über die kritischen Veröffentlichungen des kleinen Bruders. Es kam dann zu einem Kuhhandel. Der Staatsanwalt nahm seine Berufung zurück, nachdem der kleine Bruder die Zusichering gegeben hatte, die Berichterstattung einzustellen.
Dieser Prozeß war nun vorbei, und der kleine Bruder wandte sich an den Europäischen Gerichtshof, um eine Klage gegen die Bundesrepublik wegen Verletzung der Presse- und Meinungsfreiheit vorzubereiten. Doch es stelllte sich heraus, daß er die vor Gericht gegebene Zusage, die Veröffentlichungen einzustellen, gar nicht einhalten müsse.
Der kleine Bruder erstattete nun wegen des Verhaltens der Richterin Strafanzeigen, der Oberstaatsanwalt weigerte sich zu ermitteln. Ferner strebte der kleine Bruder ein Wiederaufnahmeverfahren an, jenes wurde vom Gericht aus formaljuristischen Gründen abgelehnt. Doch es konnte keinen Frieden geben.
Der kleine Bruder erstatte Anzeigen wegen Beihilfe gegen den damaligen Staatsanwalt und seinen Rechtsanwalt. Doch die Behörden weigerten sich erneut Zeugen zu befragen, die den Richterin und die anderen Juristen möglicherweise belastet hätten. Außerdem wäre die Geschichte jetzt sowieso verjährt, und der kleine Bruder müsse auf seinem Schaden, seiner zerstörten Existenz sitzen bleiben.
Doch wie wird diese Geschichte nun ausgehen?

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Ja, wie wird diese Geschichte nun ausgehen? Ich werde SM Susi helfen, einen Verleger für ihren wirklich spannenden und so realitätsnahen, aber völlig frei erfundenen Roman zu finden. Das Buch wird ein Bestseller. SM Susi wird eine Starauthorin und Karriere machen!
FREUEN SIE SICH SCHON AUF DAS TOLLE BUCH VON SM SUS!
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